Stellungnahme von der UG_DEFMA zu T.&T.

Stellungnahme von der UG DEFMA zu T.&T.
Von Outingplakaten, feministischen Nebenwidersprüchen und den üblichen Sexisten

Vor ungefähr einem Jahr tauchten in Wien kurzzeitig Plakate auf, die zwei Männer, T. und T., als Sexisten „outeten“ und ihnen aggressives, sexistisches sowie übergriffiges Verhalten vorwarfen. Auf den Plakaten waren Fotos der zwei Männer. Es wurde gefordert, dass sie aus sämtlichen autonomen Zusammenhängen ausgeschlossen werden. Da die Plakate im Durchschnitt überall nur 1 Minute hingen, war der Inhalt und der genaue Wortlaut umstritten und noch Monate später Grundlage vieler Gerüchte. Wir haben damals ein Foto von den Plakaten gemacht und geben auf dessen Grundlage den Text wieder (siehe unten).

Diese Plakate stoßen nach wie vor auf viel Kritik, die wir nur teilweise nachvollziehen können. Da wir einige fatale und sexistisch motivierte Denkfehler in der Ablehnung der Plakate und vor allem ihrem Inhalt sehen, halten wir, von der UG_DEFMA, es für notwendig, Stellung zu diesen Plakaten und der Veröffentlichung zu beziehen.

Zur Form
Wir haben die Plakate weder gemacht, entworfen noch aufgehängt und hätten sicher eine andere Form der Veröffentlichung gewählt. Ein Kritikpunkt unsererseits ist, dass es keine Kontaktadresse gibt, die aber sehr wichtig wäre. Es bleibt jeder Unterstützer_innengruppe (UG) überlassen, ob Nachfragen oder andere Anfragen dann beantwortet werden, aber die Möglichkeit erleichtert Unterstützung von Außen in vielen Fällen sehr.

Kritik die von vielen Personen geäußert wird, ist dass die Plakate wie „Fahndungsplakate“ wirkten, wegen den Fotos der beiden Männer und weil sie teilweise auch außerhalb von Szeneräumen hingen (z.B. an den Außenmauern des EKHs) d.h. für Repressionsbehörden sichtbarer waren. Noch einmal: diese Form der Veröffentlichung hätten wir nicht gewählt, dennoch sehen wir sie als eine antisexistische Aktion mit viel Tradition. Radikale Feministinnen haben seit Jahrzehnten immer wieder Sexisten und Täter angeprangert, durch Sprühereien vor ihren Wohnungen oder Arbeitsplätzen („Vergewaltiger, wir kriegen dich!“) oder auch durch Plakate und Flugzettel andere Frauen* gewarnt und die Männer eingeschüchtert. Gerade wenn die Befürchtung besteht, dass bestimmte Männer unbehelligt weitermachen können mit ihrem sexistischen und gefährlichen Verhalten, sind Veröffentlichungen mit Fotos von Nutzen. Auch szene-intern ist das nicht unüblich wie viele Beispiele in anderen Ländern belegen können.

Das Letzte, was wir von der UG_DEFMA wollen, ist den Spielraum für antisexistische Interventionen einzuschränken. Definitionsmacht bietet EINE Möglichkeit, aber sicher nicht die einzige bzw. die einzig richtige, mit sexualisierter Gewalt und Sexismus umzugehen. Spätestens nach den sexistischen Eskalationen während der Epizentrum-Besetzung waren die beiden Männer gewaltätig und aggressiv aufgefallen. Sie waren und sind sehr präsent, sowohl im Internet als auch im echten Leben. Auch bei der Cafe Rosa-Besetzung fielen sie ungut auf. Mit ihrem Verhalten zu verschiedenen Zeitpunkten konfrontiert, gab es entweder keine Reaktionen, paranoide Abwehrmonologe oder gewalttätige Auszucker. Eine ernsthafte Auseinandersetzung schien unmöglich. Nachdem alle Auseinandersetzungsversuche scheiterten, wurde eine konfrontativere Methode gewählt – eine die auf sehr viel Unverständnis stoß. Dennoch, in Anbetracht der Vorgeschichte, ist es für uns nachvollziehbar, diesen Schritt zu setzen.

Zum Inhalt
Gerade weil die Form manchen Menschen nicht passt, wollen sie anscheinend den Inhalt ignorieren. Wir finden es traurig und bezeichnend, dass manche Menschen Sexismus erst ernst nehmen, wenn dieser in seinen brutalsten Formen mit den härtesten Bezeichnungen vorkommt. Auch Übergriffe und Grenzüberschreitungen sind ernst zu nehmen. Darüber hinaus sollte es bei eingefleischten Sexisten mit Hang zu körperlicher und verbaler Gewalt durchaus möglich sein, sie „nur“ auf Grund ihres alltagssexistischen Verhaltens aus Gruppen und Räumen auszuschließen. Auch wegen solcher Typen haben sich FrauenLesbenInterTrans* immer wieder dazu entschieden, ohne Cis-Männer politische Kollektive zu organisieren. Warum wird die Teilnahme von einzelnen Männern für wichtiger gehalten, als die Teilnahme von Frauen*, die durch das sexistische Verhalten von Männern verdrängt werden?

Die Form der Veröffentlichung wirkt für uns mehr wie eine antisexistische Intervention, als die Vermittlung von Forderungen von Betroffenen durch eine UG. Wir haben dennoch keinen Grund an der Legitimität dieser Veröffentlichung zu zweifeln, u.a. weil sie Infos entspricht, die wir schon Monate vorher von Plena, antisexistischen Notfalltreffen und sehr vielen persönlichen Erzählungen hatten. Sowie viele andere Leute auch, die sich trotzdem weigern den Inhalt der Veröffentlichung auf Grund der Form ernstzunehmen.

Zu den Folgen
T. und T. wurden nach der Veröffentlichung tatsächlich aus vielen Zusammenhängen ausgeschlossen. Manche Gruppen arbeiten immer noch mit ihnen zusammen, ein Teil davon, weil sie bis jetzt die Plakate und die Veröffentlichung nicht ernst nahmen. Trotz aller Kritik an der Form der Veröffentlichung darf keine Täter-Opfer-Umkehr stattfinden! Wir hoffen mit dieser Stellungnahme hier eine Änderung zu bewirken. Keine Position zu beziehen ist auch eine Position. Sich nicht mit Sexismus zu beschäftigen IST Sexismus und bedient dem patriarchalen, gesellschaftlichen Normalzustand.

Die Pizzeria ist ein Ort, wo beide Männer sehr präsent sind. Das Projekt bzw. Menschen aus dem Pizzeria-Umfeld beklagen durch den Sexismus-Vorwurf mangelnde Solidarität mit ihrem Projekt. Wir halten es für fiesen Antifeminismus den Feministinnen vorzuwerfen, sie wollen die Szene spalten, weil sie Sexismus anprangern und nicht zum Nebenwiderspruch verkommen lassen. Dieses Argument gegen feministische/antisexistische Aktionen innerhalb der Szene ist so alt wie falsch. Was eine Szene wirklich spaltet ist das Ignorieren von Sexismen zugunsten von AktivistEN, die langsam Aktivistinnen* aus der Szene vertreiben.

Anderseits ist es uns wichtig zu differenzieren zwischen den Tätern, der Position der Pizzeria und einer grundlegenden Einstellung zu Repressionsbehörden.

Zu den Tätern: Uns ist klar, sie alleine sind für ihre Tun verantwortlich. Solange nicht einmal ansatzweise eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrem sexistischen Verhalten zu merken ist, sehen wir keinen Grund mit ihnen in irgendwelchen Zusammenhängen zusammenzuarbeiten. Der Ausschluss aus Räumen und Zusammenhängen sollte in erster Linie für den Schutz von Betroffenen und präventiv gegen sexistische Übergriffe erfolgen und nicht um eine Projektionsfläche für allgegenwärtige und kontinuierlich sexistische Verhältnisse zu schaffen. Es gibt viele Täter in Wien, die verbal und physisch Gewalt üben und denen nicht die Möglichkeit gegeben werden darf, sich hinter einer aktuellen Veröffentlichung zu verstecken.

Zur Pizzeria: Von einem Kollektiv mit emanzipatorischen Ansprüchen verlangen wir, sich mit Vorwürfen auseinanderzusetzen und Stellung zu beziehen. Zu wissen, wie ein politischer Raum („Freiraum“) damit umgeht, dass es zwei bekannte Täter in ihrem Umfeld gibt, ist für alle relevant. Sonst wird die Teilnahme der zwei Täter über das Wohlbefinden von Frauen* gestellt, die nichts mit diesen beiden Typen zu tun haben wollen. Zu unserem Verständnis von einem emanzipatorischen Raum gehört die Auseinandersetzung mit sexistischen Strukturen sowie die konkrete Durchsetzung antisexistischer Praxen. Damit wollen wir nicht sagen, dass alle Leute in der Pizzeria Sexist_innen sind. Wenn es Täter betrifft die nicht aus ihrem Kollektiv sind, ist es möglich klare Ansagen zu bekommen. Was eine klassische Art darstellt mit Sexismus umzugehen: wenns einen Haberer betrifft schaut die Sache immer anders aus. Insofern sollten sie sich über ihre eigenen antisexistischen Ansprüche klar werden und Widersprüche nicht einfach ignorieren sondern aushandeln.

Zur Einstellung gegenüber den Repressionsbehörden: Wir von DEFMA verstehen uns als Teil der linksradikalen Szene und positionieren uns klar gegen Räumungen und Polizeigewalt. Ob Verfassungsschutz oder Streifenkibarei, wir lehnen Bespitzelung und Einschüchterungstaktiken aller Art ab. Dementsprechend sind wir solidarisch mit der Pizzeria gegenüber der polizeilichen Repression der sie ausgesetzt sind.

Wir hoffen, dass diese Stellungnahme einige Mißverständnisse und Unsicherheiten aufklärt. Die letzten Rauschmissversuche der beiden T*s bei diversen Veranstaltungen und die dabei entstandenen Eskalationen, zeigen, dass antisexistisches Handeln bitter notwendig ist.

mit feministischen Grüßen,
Unterstützer_innengruppe DEFMA

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ANHANG:
Transkription der „Outing-Plakate“

Seit Jahren werden immer wieder sexistische Situationen bekannt, in denen sowohl Thomas als auch Thomas F. massivst grenzverletzend auftreten. In den letzten Monaten wurde die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung immer deutlicher.

Die befreundeten „Anarcho-Aktivisten“ mit Vorliebe für Besetzungen haben auf ihrem Ego_Polittrip schon einige Betroffene in Kauf genommen. Sexismus und sexualisierte Gewalt in Zusammenhang mit Drohungen und Erniedrigung wurde des öfteren von den beiden benutzt, um sich Raum anzueignen, Entscheidungen an sich zu reißen und antisexistische Positionen zu schwächen.

Sie stellen sich nicht offen gegen Feminismus, sondern gestalten Sexismus aktiv mit. Das zeigt sich einerseits in Gruppen- und Plenasituationen, aber auch in Party-, Demo- und anderen Kontexten, wie zB persönliche Gespräche. Durch ihr Auftreten schaffen sie eine Dynamik, die es Betroffenen oder jenen, die an ihren und/oder gruppeninternen Sexismen Kritik üben, unmöglich macht zu partizipieren. Abseits vom eigenen übergriffigen Verhalten betreiben sie außerdem aktiv Täterschutz, indem sie Übergriffe banalisieren und Betroffene einschüchtern, wenn sich Sies an die Gruppe wenden.

Thomas und Thomas F. sind in vielen Zusammenhängen aktiv […] [Anm. UG DEFMA: Auflistung ihrer früheren politischen Zusammenhänge geben wir aus repressionstechnischen Gründen nicht wieder]

Bisherige Versuche die beiden mit ihrem Verhalten zu konfrontieren und zu einem reflektierteren Umgang, sowohl mit der eigens ausgeübten Gewalt, als auch Übergriffssituationen im allgemeinen, zu bewegen, sind leider gescheitert. Wir können uns glücklich schätzen noch nie die Erfahrung gemacht zu haben, persönlich von einem der beiden attackiert worden zu sein. Die Erlebnisse der bisherigen Betroffenen zeigen allerdings deutlich, dass sowohl Thomas als auch Thomas F. eine Gefahr darstellen und ein Risiko für Frauen* in linken Strukturen bedeuten.

Uns ist einerseits klar, dass diese Form des Outings ein drastischer Schritt ist. Andererseits ist die Notwendigkeit akut gegeben, wenn übergriffiges Verhalten jahrelang geduldet wird und keine Bereitschaft zur Auseinandersetzung zu erkennen ist. Aus unserer Perspektive ist es daher legitim, dass sie letztlich die Konsequenzen aus ihrem Verhalten in dieser Form zu tragen haben. Uns ist auch klar, dass die antisexistische Kritik der letzten Monate nicht auf diese beiden zu beschränken ist. Sexistische Strukturen und Übergriffe gibt es an jeder Ecke, in jedem Raum und die Verantwortung dafür kann nicht auf zwei Personen abgestreift werden. Nichtsdestotrotz ist dieses Outing ein Anfang.

Wir fordern daher alle linken Räume und Gruppen auf, die beiden von ihren Aktivitäten auszuschließen.

Wer dieser Forderung nicht nachkommt betreibt Täterschutz und ist mitverantwortlich für zukünftige Übergriffe seitens Thomas und Thomas F.

Wir fordern öffentliche Stellungnahmen, damit all jene, die in unterschiedlichsten Formen von ihrer Gewalt betroffen sind, wissen, welche Räume und Gruppen in Zukunft zumindest diesbezüglich einen safer space darstellen. Auch von zukünftigen Projekten fordern wir einen konsequenten Ausschluss. Keine Diskussionen. Kein Täterschutz. wir fordern, dass Thomas und Thomas F. aus der Pizzeria Anarchie ausziehen und auch in anderen Wohnprojekten keinen Platz finden, damit dieser wieder jenen zugänglich wird, die bisher von ihnen ausgeschlossen wurden.

Gabi & Toni