Archiv für November 2013

Safer Support: Verschlüsselung und Unterstützungsarbeit

Die Kurzmessage lautet: Die beharrliche Verweigerung verschlüsselte Kommunikation in der alltäglichen politischen Arbeit macht uns die Arbeit manchmal ganz schön schwer.

Immer wieder war Verschlüsselung in aller Munde, durch Antirep2008, Antirep2010, VDS, NSA und andere Peaks in der Wahrnehmung von Repression. Und immer ließen sich doch wieder gute Gründe finden warum man in der eigenen Gruppe leider doch keine Verschlüsselung umsetzen könnte: Hierarchie durch Passwörter, Barrieren durch Technik und Knowhow, Verschwörungstheorien gegen das Internet per se, die schicke Adresse beim Betreiber der leider keinen pgp-import zulässt, usw. Das sind teils gute, teils bessere, meist schlechte Gründe.

Wie allgemein bekannt steht das Definitionsmacht-Konzept außerhalb einer staatlichen und juristischen Logik; Daher ist das Definitionsmacht-Konzept auch nur dort und nur für jene wirksam, die sich mit dem Konzept beschäftigt haben und sich dazu in einer bestimmten Form bekennen. Anders gesagt: Der Jungen ÖVP die Forderung einer Betroffenen zu schicken hat gleichwenig Sinn wie die Forderung an die Staatsoper, einem Täter Hausverbot zu geben. Sowenig es den Staat interessiert, Frauen* vor Gewalt zu schützen, so sehr interessiert es ihn dann doch, was an ihm vorbei geschieht. Ein Beispiel, das alle UGs betrifft. Macht eine Unterstützer_innengruppe etwa einen Übergriff publik und benennt ihn als Handlung, die der Staat unter Strafe stellt, wäre das für jede Behörde Grund Anzeige zu machen, da es sich um ein Offizialdelikt handelt. Das hätte zur Folge, dass es zu einer Anzeige kommt, auch wenn sich die Betroffene dagegen entschieden hat ihn anzuzeigen. Und es führt dazu, dass bei der Unterstützer_innengruppe aktive Personen als Zeug_innen befragt werden könnten.
Würde eine Unterstützer_innengruppe, sagen wir mal theoretisch, jemanden in Mails vorwerfen etwas getan zu haben, was der Staat für strafbar definiert, so könnte ob dieser Äußerung auch die UG selbst Klagen ausgesetzt sein.
In beiden Fällen wären über Listen und Verteiler verschickte unverschlüsselte Mails für die Unterstützer_innengruppe, und teils auch die Betroffenen, kein gutes Los.

Dass Betroffene, die verschlüsselt mit uns kommunzieren, dadurch geschützt sind, ist gut. Aber nicht ausreichend, wenn durch Nicht-Verschlüsselung ungewollt eine Anzeige ins Rollen kommt. Und dass die Unterstützer_innengruppe einer Gefahr durch eine Veröffentlichung ausgesetzt ist, nur weil einige Politgruppen nicht verschlüsseln, ist ebenso bescheuert.

Der Status Quo bzgl. PGP steht in Wien wirklich nicht zum Besten: Räume die seit Monaten auf der Suche nach dem Passwort sind, Gruppen die seit Jahren einen abgelaufenen Key haben, wiederum andere in denen nur Einzelpersonen Zugang zum Key haben und auf Mails erst Monate später antworten.

Da offenbar politische Argumente nicht ausreichen, probieren wir es anders: Zum anstehenden 6. Geburtstag im Frühjahr 2014 im wünscht sich die UG_DEFMA keine Torten, Worte oder sonstige Geschenke, sondern eure public keys in unserem Adressbuch: defma@pulk.net