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Statement UG_D.E.F.M.A [DIY, Emanzipatorisch, Feministisch, Militant, Autonom], Wien September 2016

Die Unterstützer_innengruppe DEFMA hat beschlossen aufzuhören. Vor acht Jahren fanden sich Aktivist_innen zusammen, um eine kontinuierlich arbeitende Gruppe zu bilden, die Unterstützung für Betroffene sexualisierter Gewalt als Teil der autonomen linksradikalen Szene anbietet. Aus unserer Perspektive besteht die Notwendigkeit einer solchen Unterstützungsgruppe für Betroffene immer noch – sexualisierte Gewalt wird immer wieder und überall, in hetero- wie queeren Kontexten, ausgeübt. Nichtsdestotrotz haben die meisten von uns das Gefühl diese Arbeit nun „lange genug“ gemacht zu haben. Die Entscheidung zur Auflösung der Gruppe ist also persönlicher Natur und nicht vorrangig politischen Prozessen geschuldet.

Wir haben uns in unserer Arbeit sehr stark auf das Definitionsmachtkonzept* berufen, das in der Zweiten Frauenbewegung als Mittel entstand, sexualisierte Gewalt (v.a. in gemischt-geschlechtlichen Gruppen) zu thematisieren und entgegenzuwirken. Wir finden das Konzept nach wie vor ein notwendiges Mittel und eines von vielen antisexistischen Praxen, mit denen es möglich ist, auf Basis einer vehementen, antisexistischen Gesellschaftskritik, Betroffene sexualisierter Gewalt zu stärken und Handlungsspielräume aufzumachen.

Unsere Arbeit bestand einerseits aus der Unterstützung von Betroffenen und anderseits aus Öffentlichkeitsarbeit und antisexistischer Aufklärungsarbeit. Im Rahmen dessen boten wir Workshops für Kollektive an und verbreiteten u.a. unsere Zustimmungsplakate. Es war immer wieder eine schwierige Gratwanderung zwischen „Szenedebatten“ und Unterstützungsarbeit eine Balance halten zu können. Einen weiteren dauerhaften Diskussionsbedarf gab es was feministische Kritik am Definitionsmachtkonzept betrifft. Diesen Themenkomplex machten wir zum Thema mehrerer Veranstaltungen, deren Ergebnisse wir in unsere Praxen einfliessen ließen. Ungeachtet aller berechtigten Kritik, zeigen die Anfeindungen gegen Betroffene sexualisierter Gewalt, die weiterhin bestehende Notwendigkeit feministischer Interventionen zur Unterstützung von Betroffenen und Bekämpfung sexistischer Strukturen, ob diese sich aus dem Definitionsmacht-Konzept, dem Community-Accountability-Konzept oder aus anderen feministischen Theorien oder Praxen zusammensetzen ist eigentlich zweitrangig.

Durch das viele stundenlange Plenieren, Diskutieren und Debattieren, zu einer oft schweren und belastenden Thematik entwickelten wir ein starkes Vertrauen zueinander, das uns ermöglichte, unsere Kritik und Analyse weiterzudenken. Wir freuen uns darüber, dass sich, unter anderem durch unsere Initiative, viele Gruppen mit dem Definitionsmachtkonzept auseinandersetzten und Position bezogen haben Betroffene sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Wir finden es ebenfalls toll, dass unsere Zustimmungsplakate auf viele Sprachen übersetzt wurden und nach wie vor verbreitet werden. Danke an alle Mitstreiter_innen, die Plakate aufhängen, Workshops organisieren, und die vielen teils mühsamen Gespräche über die Unterstützung Betroffener sexualisierter Gewalt führen. Auch wenn es die Gruppe DEFMA nicht mehr gibt, werden wir alle weiter für eine Welt ohne sexistische Gewalt kämpfen! Für eine feministische Gesellschaft!

UG_D.E.F.M.A, September 2016.

*) Antisexismus_reloaded: Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt – ein Handbuch für die antisexistische Praxis. Mehrere Neuauflagen.

Neuer PGP-Key

Liebe Leute. Unser alter PGP-Key hat ausgedient, es gibt einen Neuen – nur damit sich niemand schreckt warum das so ist: Alles im Lot, nach 5 Jahren muss einfach ein neuer her.
Den neuen Key findet ihr HIER oder eben unter Kontakt.
Warum Mails verschlüsselt werden sollten haben wir ja schonmal ausführlich dargelegt – Safer Support: Verschlüsselung und Unterstützungsarbeit.

Mit antisexistischen Grüßen, eure UG_DEFMA

Häufige Fragen/Unklarheiten – F.A.Q.s online

Wir haben häufige Fragen an uns (per Mail oder live) versucht zusammenzufassen und zu beantworten. Das soll weniger dazu dienen Fragen abzuwenden – so wie unser aller Telefonunternehmen erstmals 100 FAQs vorschlagen bevor man ein Mail an den KundInnendienst schreiben darf – sondern vielmehr Diskussionen, Problemlagen und Widersprüche offenlegen. Wir hoffen ihr könnt was damit anfangen. Bei Fragen zu den Antworten auf die theoretischen Fragen (:-)) schreibt uns doch ein Mail: defma (at) pulk.net
Es sind damit sicher auch nicht alle Fragen beantwortet oder aufgeworfen – daher wird die Sammlung vielleicht einmal wachsen. Wir werden das mit Datumsstempel sichtbar machen.
Hier gehts zu den F.A.Q.s => Link zu den FAQs
Eure UG_DEFMA
PS: happy new year.

Definitionsnot in der Zeitschrift An.schläge

Definitionsnot

Reaktion auf die ASB-Stellungnahme

Reaktion der UG_DEFMA auf die „Stellungnahme zur Absage der Broschürenpräsentation im W23“, welche vom Redaktionskollektiv der Antisexismus-Broschüre am 12.7.2014 online gestellt wurde [1]

Wir, die UG_DEFMA, können nicht verstehen wie das Redaktionskollektiv der Antisexismus-Broschüre (im Folgenden kurz: die ASB-Redax) auf die Idee kam, es wäre ein guter Umgang mit einem Konflikt, die oben genannte Stellungnahme zu veröffentlichen. Wir sind überrascht was die darin geäußerten Unterstellungen anbelangt. Wir sind enttäuscht was die Nichtnutzung direkter und nicht-öffentlicher Kommunikation anbelangt. Wir sind schlussendlich schockiert, dass das Redaktionskollektiv einer Antisexismus-Broschüre der Sicht eines Täters breiten Raum gibt.
(mehr…)

Safer Support: Verschlüsselung und Unterstützungsarbeit

Die Kurzmessage lautet: Die beharrliche Verweigerung verschlüsselte Kommunikation in der alltäglichen politischen Arbeit macht uns die Arbeit manchmal ganz schön schwer.

Immer wieder war Verschlüsselung in aller Munde, durch Antirep2008, Antirep2010, VDS, NSA und andere Peaks in der Wahrnehmung von Repression. Und immer ließen sich doch wieder gute Gründe finden warum man in der eigenen Gruppe leider doch keine Verschlüsselung umsetzen könnte: Hierarchie durch Passwörter, Barrieren durch Technik und Knowhow, Verschwörungstheorien gegen das Internet per se, die schicke Adresse beim Betreiber der leider keinen pgp-import zulässt, usw. Das sind teils gute, teils bessere, meist schlechte Gründe.

Wie allgemein bekannt steht das Definitionsmacht-Konzept außerhalb einer staatlichen und juristischen Logik; Daher ist das Definitionsmacht-Konzept auch nur dort und nur für jene wirksam, die sich mit dem Konzept beschäftigt haben und sich dazu in einer bestimmten Form bekennen. Anders gesagt: Der Jungen ÖVP die Forderung einer Betroffenen zu schicken hat gleichwenig Sinn wie die Forderung an die Staatsoper, einem Täter Hausverbot zu geben. Sowenig es den Staat interessiert, Frauen* vor Gewalt zu schützen, so sehr interessiert es ihn dann doch, was an ihm vorbei geschieht. Ein Beispiel, das alle UGs betrifft. Macht eine Unterstützer_innengruppe etwa einen Übergriff publik und benennt ihn als Handlung, die der Staat unter Strafe stellt, wäre das für jede Behörde Grund Anzeige zu machen, da es sich um ein Offizialdelikt handelt. Das hätte zur Folge, dass es zu einer Anzeige kommt, auch wenn sich die Betroffene dagegen entschieden hat ihn anzuzeigen. Und es führt dazu, dass bei der Unterstützer_innengruppe aktive Personen als Zeug_innen befragt werden könnten.
Würde eine Unterstützer_innengruppe, sagen wir mal theoretisch, jemanden in Mails vorwerfen etwas getan zu haben, was der Staat für strafbar definiert, so könnte ob dieser Äußerung auch die UG selbst Klagen ausgesetzt sein.
In beiden Fällen wären über Listen und Verteiler verschickte unverschlüsselte Mails für die Unterstützer_innengruppe, und teils auch die Betroffenen, kein gutes Los.

Dass Betroffene, die verschlüsselt mit uns kommunzieren, dadurch geschützt sind, ist gut. Aber nicht ausreichend, wenn durch Nicht-Verschlüsselung ungewollt eine Anzeige ins Rollen kommt. Und dass die Unterstützer_innengruppe einer Gefahr durch eine Veröffentlichung ausgesetzt ist, nur weil einige Politgruppen nicht verschlüsseln, ist ebenso bescheuert.

Der Status Quo bzgl. PGP steht in Wien wirklich nicht zum Besten: Räume die seit Monaten auf der Suche nach dem Passwort sind, Gruppen die seit Jahren einen abgelaufenen Key haben, wiederum andere in denen nur Einzelpersonen Zugang zum Key haben und auf Mails erst Monate später antworten.

Da offenbar politische Argumente nicht ausreichen, probieren wir es anders: Zum anstehenden 6. Geburtstag im Frühjahr 2014 im wünscht sich die UG_DEFMA keine Torten, Worte oder sonstige Geschenke, sondern eure public keys in unserem Adressbuch: defma@pulk.net

Antisexistische Plakate!

Du kannst uns nach wie vor gerne schreiben wenn du Plakate zugeschickt bekommen willst, die erste Tranche an Bestellungen wurde von uns soeben verschickt! Falls eine Initiative/Kollektiv/Einzelperson in Wien gern Plakate hätt, ist das noch viel einfacher: mail schreiben und wir bringen oder ihr holt euch einfach welche!

Mit antisexistischen Grüßen,
DEFMA

Neu-Auflage der Plakate!

Gute Nachrichten: Sowohl die Selbstverteidigungsplakate als auch die Zustimmungsplakate wurden neu aufgelegt. Die Zustimmungsplakate gibts in sechs Sprachen (dt., en., hu., cz., bks und pl.), die Selbstverteidigungsplakate in zwei Sprachen (dt., en.). Du kannst alle hier sehen: Material

Wie kommt ihr zu den Plakaten: Im EKH-Infoladen, im Bäckerei und bei uns via Mail.

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass wir bald wieder Plakate verschicken werden. Wenn du beim Versand berücksichtigt werden willst gib uns doch bitte bis Ende Juli Bescheid an defma@pulk.net (Adresse+Name+wieviel+von was). Die Plakate und der Versand kosten nichts. Wenn du oder deine Gruppe Geld auf der hohen Kante habt dann unterstützt doch bitte die feministische Buchhandlung in Wien: Chicklit

Mit antisexistischen Grüßen aus Wien,
DEFMA

Stellungnahme von der UG_DEFMA zu T.&T.

Stellungnahme von der UG DEFMA zu T.&T.
Von Outingplakaten, feministischen Nebenwidersprüchen und den üblichen Sexisten

Vor ungefähr einem Jahr tauchten in Wien kurzzeitig Plakate auf, die zwei Männer, T. und T., als Sexisten „outeten“ und ihnen aggressives, sexistisches sowie übergriffiges Verhalten vorwarfen. Auf den Plakaten waren Fotos der zwei Männer. Es wurde gefordert, dass sie aus sämtlichen autonomen Zusammenhängen ausgeschlossen werden. (mehr…)

18.6. Einführung in das Definitionsmachtkonzept. Vortrag mit anschließender Diskussion

Das Definitionsmachtkonzept ist inzwischen den meisten Leute in linksradikalen Zusammenhängen ein Begriff. Es besagt, dass nur die betroffene Person selbst defininieren kann, was sie als (sexualisierte) Gewalt erlebt. Dennoch stößt das Konzept immer wieder auf Unverständnis, und die Durchsetzung der Definitionsmacht in der Praxis bleibt oft schwierig. In diesem Vortrag wird auf die gängigen Umgänge mit sexualisierter Gewalt in der Gesellschaft eingegangen sowie auf die Bedeutung und Auswirkung von sexualisierter Gewalt für Betroffenen. Ausgehend von diesen Umständen wird ersichtlich, warum Definitionsmacht sich im Umgang mit sexualisierter Gewalt bewährt – auch in unseren Szenen.

Am 18.6.2013 im Rahmen des Antifa Cafes
ab 19 Uhr
im Bäckerei
Tannengasse 1/Ecke Felberstrasse
1150 Wien