Unterstützer_innengruppe DEFMA http://defma.blogsport.de Sun, 04 Sep 2016 15:09:40 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Statement UG_D.E.F.M.A [DIY, Emanzipatorisch, Feministisch, Militant, Autonom], Wien September 2016 http://defma.blogsport.de/2016/09/04/statement-ug_d-e-f-m-a-diy-emanzipatorisch-feministisch-militant-autonom-wien-september-2016/ http://defma.blogsport.de/2016/09/04/statement-ug_d-e-f-m-a-diy-emanzipatorisch-feministisch-militant-autonom-wien-september-2016/#comments Sun, 04 Sep 2016 15:09:40 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2016/09/04/statement-ug_d-e-f-m-a-diy-emanzipatorisch-feministisch-militant-autonom-wien-september-2016/ Die Unterstützer_innengruppe DEFMA hat beschlossen aufzuhören. Vor acht Jahren fanden sich Aktivist_innen zusammen, um eine kontinuierlich arbeitende Gruppe zu bilden, die Unterstützung für Betroffene sexualisierter Gewalt als Teil der autonomen linksradikalen Szene anbietet. Aus unserer Perspektive besteht die Notwendigkeit einer solchen Unterstützungsgruppe für Betroffene immer noch – sexualisierte Gewalt wird immer wieder und überall, in hetero- wie queeren Kontexten, ausgeübt. Nichtsdestotrotz haben die meisten von uns das Gefühl diese Arbeit nun „lange genug“ gemacht zu haben. Die Entscheidung zur Auflösung der Gruppe ist also persönlicher Natur und nicht vorrangig politischen Prozessen geschuldet.

Wir haben uns in unserer Arbeit sehr stark auf das Definitionsmachtkonzept* berufen, das in der Zweiten Frauenbewegung als Mittel entstand, sexualisierte Gewalt (v.a. in gemischt-geschlechtlichen Gruppen) zu thematisieren und entgegenzuwirken. Wir finden das Konzept nach wie vor ein notwendiges Mittel und eines von vielen antisexistischen Praxen, mit denen es möglich ist, auf Basis einer vehementen, antisexistischen Gesellschaftskritik, Betroffene sexualisierter Gewalt zu stärken und Handlungsspielräume aufzumachen.

Unsere Arbeit bestand einerseits aus der Unterstützung von Betroffenen und anderseits aus Öffentlichkeitsarbeit und antisexistischer Aufklärungsarbeit. Im Rahmen dessen boten wir Workshops für Kollektive an und verbreiteten u.a. unsere Zustimmungsplakate. Es war immer wieder eine schwierige Gratwanderung zwischen „Szenedebatten“ und Unterstützungsarbeit eine Balance halten zu können. Einen weiteren dauerhaften Diskussionsbedarf gab es was feministische Kritik am Definitionsmachtkonzept betrifft. Diesen Themenkomplex machten wir zum Thema mehrerer Veranstaltungen, deren Ergebnisse wir in unsere Praxen einfliessen ließen. Ungeachtet aller berechtigten Kritik, zeigen die Anfeindungen gegen Betroffene sexualisierter Gewalt, die weiterhin bestehende Notwendigkeit feministischer Interventionen zur Unterstützung von Betroffenen und Bekämpfung sexistischer Strukturen, ob diese sich aus dem Definitionsmacht-Konzept, dem Community-Accountability-Konzept oder aus anderen feministischen Theorien oder Praxen zusammensetzen ist eigentlich zweitrangig.

Durch das viele stundenlange Plenieren, Diskutieren und Debattieren, zu einer oft schweren und belastenden Thematik entwickelten wir ein starkes Vertrauen zueinander, das uns ermöglichte, unsere Kritik und Analyse weiterzudenken. Wir freuen uns darüber, dass sich, unter anderem durch unsere Initiative, viele Gruppen mit dem Definitionsmachtkonzept auseinandersetzten und Position bezogen haben Betroffene sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Wir finden es ebenfalls toll, dass unsere Zustimmungsplakate auf viele Sprachen übersetzt wurden und nach wie vor verbreitet werden. Danke an alle Mitstreiter_innen, die Plakate aufhängen, Workshops organisieren, und die vielen teils mühsamen Gespräche über die Unterstützung Betroffener sexualisierter Gewalt führen. Auch wenn es die Gruppe DEFMA nicht mehr gibt, werden wir alle weiter für eine Welt ohne sexistische Gewalt kämpfen! Für eine feministische Gesellschaft!

UG_D.E.F.M.A, September 2016.

*) Antisexismus_reloaded: Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt – ein Handbuch für die antisexistische Praxis. Mehrere Neuauflagen.

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Neuer PGP-Key http://defma.blogsport.de/2016/04/10/neuer-pgp-key/ http://defma.blogsport.de/2016/04/10/neuer-pgp-key/#comments Sun, 10 Apr 2016 16:40:04 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2016/04/10/neuer-pgp-key/ Liebe Leute. Unser alter PGP-Key hat ausgedient, es gibt einen Neuen – nur damit sich niemand schreckt warum das so ist: Alles im Lot, nach 5 Jahren muss einfach ein neuer her.
Den neuen Key findet ihr HIER oder eben unter Kontakt.
Warum Mails verschlüsselt werden sollten haben wir ja schonmal ausführlich dargelegt – Safer Support: Verschlüsselung und Unterstützungsarbeit.

Mit antisexistischen Grüßen, eure UG_DEFMA

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Häufige Fragen/Unklarheiten – F.A.Q.s online http://defma.blogsport.de/2016/01/10/haeufige-fragenunklarheiten-f-a-q-s-online/ http://defma.blogsport.de/2016/01/10/haeufige-fragenunklarheiten-f-a-q-s-online/#comments Sun, 10 Jan 2016 14:55:37 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2016/01/10/haeufige-fragenunklarheiten-f-a-q-s-online/ Wir haben häufige Fragen an uns (per Mail oder live) versucht zusammenzufassen und zu beantworten. Das soll weniger dazu dienen Fragen abzuwenden – so wie unser aller Telefonunternehmen erstmals 100 FAQs vorschlagen bevor man ein Mail an den KundInnendienst schreiben darf – sondern vielmehr Diskussionen, Problemlagen und Widersprüche offenlegen. Wir hoffen ihr könnt was damit anfangen. Bei Fragen zu den Antworten auf die theoretischen Fragen (:-)) schreibt uns doch ein Mail: defma (at) pulk.net
Es sind damit sicher auch nicht alle Fragen beantwortet oder aufgeworfen – daher wird die Sammlung vielleicht einmal wachsen. Wir werden das mit Datumsstempel sichtbar machen.
Hier gehts zu den F.A.Q.s => Link zu den FAQs
Eure UG_DEFMA
PS: happy new year.

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Definitionsnot in der Zeitschrift An.schläge http://defma.blogsport.de/2015/11/25/39/ http://defma.blogsport.de/2015/11/25/39/#comments Wed, 25 Nov 2015 10:58:38 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2015/11/25/39/ Definitionsnot

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Reaktion auf die ASB-Stellungnahme http://defma.blogsport.de/2014/08/19/reaktion-auf-die-asb-stellungnahme/ http://defma.blogsport.de/2014/08/19/reaktion-auf-die-asb-stellungnahme/#comments Tue, 19 Aug 2014 11:07:27 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2014/08/19/reaktion-auf-die-asb-stellungnahme/ Reaktion der UG_DEFMA auf die „Stellungnahme zur Absage der Broschürenpräsentation im W23“, welche vom Redaktionskollektiv der Antisexismus-Broschüre am 12.7.2014 online gestellt wurde [1]

Wir, die UG_DEFMA, können nicht verstehen wie das Redaktionskollektiv der Antisexismus-Broschüre (im Folgenden kurz: die ASB-Redax) auf die Idee kam, es wäre ein guter Umgang mit einem Konflikt, die oben genannte Stellungnahme zu veröffentlichen. Wir sind überrascht was die darin geäußerten Unterstellungen anbelangt. Wir sind enttäuscht was die Nichtnutzung direkter und nicht-öffentlicher Kommunikation anbelangt. Wir sind schlussendlich schockiert, dass das Redaktionskollektiv einer Antisexismus-Broschüre der Sicht eines Täters breiten Raum gibt.

I) Absage der Präsentationsveranstaltung

Wie der Stellungnahme zu entnehmen ist, war für den 23.5.2014 eine Präsentation der Antisexismusbroschüre – eingeladen von der Bibliothek von Unten und der Rosa Antifa Wien (RAW) – in der W23 geplant. Die Präsentation wurde von der Bibliothek von Unten am 21.5.2014 abgesagt.[2]
Die ASB-Redax stellt mit der Stellungnahme in den Raum, wir hätten die Absage durch kurzfristige Interventionen erwirkt, die dann erfolgte Absage als unseren „Erfolg verbreitet“ und überhaupt eine Doppelstrategie (ASB-Redax vs. Veranstalter_innen) betrieben. Wir können diese Unterstellungen nicht nachvollziehen.

Zuallererst: Wir haben Besseres zu tun als Intrigen gegen andere Gruppen zu planen geschweige denn auszuführen, schon gar nicht wenn es sich um das Redaktionskollektiv einer Antisexismus-Broschüre handelt. Hallo, Realitätsbezug? Tatsächlich hatten wir geplant an der Broschüre selbst mitzuschreiben, haben dies aber aus Zeitgründen nicht geschafft. Und zwar lediglich aus Zeitgründen, da wir Gespräche mit Betroffenen und Workshops mit Politgruppen der Produktion von Texten oft vorziehen müssen. Unsere diesbezüglichen Mails vom 14.4.2013 und 27.6.2013 kann die ASB-Redax in ihrer Mailbox nachlesen. Was wäre also unser verschwörerischer Rachegrund? Tod der Broschüre, weil wir die Deadline nicht geschafft haben?

Zu den Unterstellungen „kurzfristige Intervention, Erfolgsverbreitung, Doppelstrategie“: Irgendwann im Frühjahr 2014 bekamen wir die ersten AS-Broschüren in die Hand und wir haben uns über das Produkt ehrlich gefreut. Außerdem werden wir darin auch als eine Unterstützer_innengruppe in Wien genannt (S. 106) – auch nicht schlecht. Mitte Mai haben wir dann mitbekommen, dass ein Täter mitgearbeitet hat und haben uns Gedanken gemacht, ob das dem Redaktionskollektiv wohl bewusst oder bekannt war. Gleichzeitig kam die Ankündigung einer Präsentation der Broschüre in der W23 – einem Ort wo der Täter Hausverbot hat. In Absprache mit der Betroffenen haben wir beschlossen folgende Schritte zu setzen:
ASB-Redax: Mitteilung, dass ein Täter als Autor aufscheint; Kritik, dass er dies ohne Benennung tut; Vorschlag der Exkludierung des vom Täter verfassten Artikels für die Online-Version.
RAW/Bibliothek: Mitteilung, dass ein Täter als Autor mitgeschrieben hat; Kritik, dass er dies ohne Benennung tut; Erinnerung an das Hausverbot in der W23.

Zur Kommunikation mit der ASB-Redax:
In unserem Mail an die ASB-Redax vom 19.5.2014 haben wir der Redax zur Broschüre gratuliert. Unter anderem haben wir geschrieben: „Allerdings waren wir bestürzt zu entdecken, dass sich ein Täter unter den Schreiber_innen befindet (…). Wir gehen davon aus, dass ihr nicht (alle) gewusst habt, dass XYZ ein Täter ist und in einigen linken Räumlichkeiten deswegen auch Lokalverbot hat. (…) Es ist bezeichnend, dass er sein sexistisches und übergriffes Verhalten Frauen* gegenüber nicht im Widerspruch sieht zu einer Teilnahme an einer Broschüre über antisexistische Praxen.“ Wir haben das Versäumnis also beim Täter, nicht bei der ASB-Redax gesehen.
Auch haben wir geschrieben: „Wir würden gerne erfahren, wie ihr das so seht. Wir fänden es auch angebracht, seinen Text aus der online Version der Broschüre zu streichen, eventuell mit einer Anmerkung. Das gleiche gilt für eine mögliche Neuauflage der Broschüre. Jedenfalls solltet ihr euch im Kollektiv überlegen wie ihr damit umgehen wollt. (…)

Von der ASB-Redax bekamen wir umgehend (noch am 19.5.2014) eine freundliche Antwort im Namen zweier Aktivist_innen. Uns wurde versichert, dass man unser Mail ernst nehme; Dass es derzeit schwierig sei einen Termin zum Besprechen des Mails im Redaktionskollektiv zu finden; Und außerdem: „Wir werden das auch gleich der Bibliothek von Unten schreiben, damit sie sich gegebenenfalls gegen die Präsentation entscheiden können. So oder so würde XYZ nicht zur Präsentation kommen.“ Der letzte Satz hat uns damals gewundert – haben wir doch nicht vorgeschlagen deswegen die Veranstaltung absagen zu „müssen“, ging es uns doch nur um Informierung über den Täter.

Wir haben darauf erst am 28.5.2014 geantwortet, mit dem Hinweis, dass uns Ergebnisse der internen Auseinandersetzung durchaus interessieren würden. Danach haben bis zum 12.7.2014 nichts mehr aus der Redax gehört. Keine Nachfrage zur Vorgeschichte. Keine Nachfrage zu den Vorschlägen eines Umgangs, nichts. Am 12.7.2014 bekamen wir dann ein Mail mit dem Hinweis auf die Stellungnahme am ASB-Blog.

Zur Kommunikation mit der RAW und Bibliothek: Wir haben beide veranstaltenden Gruppen am 19.5.2014 darüber informiert, dass ein Täter an jener Broschüre mitgearbeitet hat, die am 23.5.2014 präsentiert werden sollte. Wir haben uns bestürzt gezeigt, dass der Täter dort mitgeschrieben hat, jedoch war unser Vorwurf nicht gegen das Kollektiv sondern gegen den Täter gerichtet. Konkret haben wir geschrieben: „Ärgerlich dabei ist vor allem, dass er in keinem Wort erwähnt, dass er Täter ist und seine Rolle als geouteter Täter nicht thematisiert. Wir haben uns darüber sehr geärgert, nicht so sehr über das Red.kollektiv (wir gehen davon aus, dass sie es nicht wussten), sondern über XYZ selbst, der damit wiedermal bewiesen hat, dass Theorie und Praxis manchmal vollkommen losgelöst voneinander sind.
Von der RAW bekamen wir keine Antwort, von der Bibliothek einen Einzeiler. Am 21.5.2014 wurde von der Bibliothek die Veranstaltung abgesagt. Die Bibliothek hat uns nichts Weiteres geschrieben, die ASB-Redax weiß darüber vermutlich mehr als wir.

II) Mehr als nur Täterschutz

Die ASB-Redax hat die Schilderung eines Täters übernommen und diese als Tatsache hingestellt, als objektive Wahrheit. Hätte sich die Redax mit Definitionsmacht auseinandergesetzt, würde sie wissen, dass das eine klassische Art ist, Betroffene zu diskreditieren, auf eine lange patriarchale Geschichte zurückblickt und Betroffene in Bedrängnis bringt. Die einzige Möglichkeit die Täterversion zu widerlegen, ist ihre eigene Geschichte zu erzählen, was viele Betroffene (vor allem im Detail) nicht wollen. Die Betroffene hat vom Täter explizit gefordert, dass dieser nicht „seine Version der Geschichte“ verbreitet. Die ASB-Redax hilft mit dieser Stellungnahme dem Täter dabei, sich nicht an die Forderung zu halten. Die Verbreitung einer verharmlosenden Täterversion des Geschehenen hätten wir einer Gruppe wie der ASB-Redax nicht zugetraut. Wir können nur hoffen, dass es den Involvierten innerhalb der ASB-Redax in naher oder ferner Zukunft nachvollziehbar wird, wie sehr sie damit nicht nur die (von uns betreute) Betroffene in diesem Fall verletzt und retraumatisiert hat, sondern wie sehr sie mit dieser Stellungnahme allgemein andere Betroffene entmutigt ihre Gewalterlebnisse zu schildern. Die ASB-Redax hat mit dieser Stellungnahme ganz aktiv zu Victim-Blaming und Schweigen über sexualisierte Gewalt beigetragen.

Verschleiert wird in der und durch die Stellungnahme außerdem die Tatsache, dass der Täter nicht nur gegenüber einer Frau übergriffig wurde, sondern, dass es auch eine zweite Betroffene_ gibt.[3]
Über weite Teile der ASB-Stellungnahme können wir feststellen, dass die ASB-Redax offenbar das Sprachrohr des Täters geworden ist. Das ist mehr als bedauerlich; Das wirft ein devastierendes Licht auf das Grundverständnis des Kollektivs.

Aus der ASB-Stellungnahme:Nun stellt aber eine Unterstützer*innengruppe Forderungen auf, die in keinem ersichtlichen Zusammenhang mit dem Schutz der Betroffenen stehen.
Tatsächlich haben wir nicht gefordert, irgendwas hätte mit dem Artikel des Täters zu geschehen. Unser Vorschlag in einem Mail an die ASB-Redax lautete „Wir fänden es auch angebracht, seinen Text aus der online Version der Broschüre zu streichen, eventuell mit einer Anmerkung“ und ist im Kontext unserer Annahme zu verstehen, dass diese über das übergriffige Verhalten eines Mitarbeiters nicht Bescheid wusste, insofern eine „Forderung“ aus unserer Sicht nicht einmal angedacht wurde. Warum unser Vorschlag doch Schutz für Betroffene bieten könnte, kann in der Stellungnahme der zweiten Betroffenen_ nachgelesen werden (die erst anlässlich der ASB-Stellungnahme mit uns in Verbindung trat).

Aus der ASB-Stellungnahme:Die Betroffene hat unseres Wissens niemals den Wunsch geäußert, der Beteiligte möge nicht mehr öffentlich gegen Sexismus Stellung nehmen.“ Wie sollte ein Redaktionskollektiv einer Broschüre auch davon wissen? Die Forderungen gegenüber dem Täter sind nur Wenigen bekannt. Eine simple Nachfrage per Mail an uns (öffentliche Stellungnahmen sind nicht die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit uns) hätte konkrete Antworten bringen können, hätte es die Redax tatsächlich interessiert was die von uns betreute Betroffene will.

Auf Seite 106 der ASB-Broschüre ist zum Umgang mit Betroffenen zu lesen: „Frage nicht: ‚Was ist jetzt wirklich passiert?', sondern nimm ihr Empfinden, ihre Wahrnehmung und ihre Einschätzung ernst, ohne diese nach deinen eigenen Maßstäben zu beurteilen. Jede Person hat das Recht, dass ihre individuellen Grenzen gewahrt werden. Übernehmt gemeinsam die Verantwortung dafür, dass die Betroffene nach ihren Wünschen und Bedürfnissen Unterstützung erhält und dass sie sich in der Situation wieder wohlfühlen kann.“ Die ASB-Redax macht es sich hingegen leichter: Es braucht die Aussagen von Betroffenen gar nicht erst zu hören oder bei einer UG nachfragen. Denn der Täter hat gesagt, es gäbe nur „‚Verwicklungen‘ und ‚Vorwürfe‘“. Und weil das so ist, ist der Täter auch kein Täter, sondern nur ein „Beteiligter“. Und damit sei die Betroffene keine Betroffene. Deshalb schreibt die ASB-Redax auch: „Wir wollen keine Details, die für die Betroffene vielleicht unangenehm sein könnten, öffentlich machen“, während sie im darauf folgenden Satz sogleich angebliche Details des Übergriffs schildern. Die ASB-Redax hatte längst beschlossen, dass es keine Betroffene gibt. Sonst hätten sie den Absatz mit den Übergriffs-Schilderungen eines Täters niemals so schreiben können. Weil das so sexistisch und grenzverletzend ist dass wir einfach nur mehr schreien wollen.

Zur Veröffentlichung des Täters durch Streichung: In der ASB-Stellungnahme wird ausgeführt, eine Streichung des Artikels des Täters hätte seine Identität offengelegt. Da es keine Forderung einer Betroffenen war die Identität des Täters öffentlich zu machen haben wir auch kein Interesse an einer solchen indirekten Veröffentlichung über den Umweg der Streichung – es würde tatsächlich sogar dem Wunsch einer der Betroffenen widersprechen. Die Krux an dieser Weigerung der Öffentlichmachung: Die Broschüre hat in der gedruckten Form 128 Seiten. Sagen wir das Redaktionskollektiv wäre auf unseren Vorschlag der Artikelentfernung eingegangen ohne sich in einer Stellungnahme seitenweise dessen Nichtumsetzung zu erläutern, dann hätte die Broschüre nur mehr 126 Seiten gehabt. Wäre das wirklich auf ein Outing des Täters hinausgelaufen? Vielleicht hätten sich zehn Leute gewundert, vielleicht hätten sogar zwei nachgefragt. Leicht hätte man das seitens des Kollektives erklären können. Unser Vorschlag die etwaige Entfernung seines Artikels auch zu kennzeichnen („eventuell mit einer Anmerkung“) war in diesem Zusammenhang tatsächlich unbedacht.

Die anonyme, gemischtgeschlechtliche moralische Instanz:DEFMA, eine anonyme, gemischtgeschlechtliche Gruppe, erhöht sich hier zur moralischen Instanz, die darüber entscheidet, was wir zu tun und zu lassen haben.“ Was genau ist der Vorwurf bzw. der Gegenvorschlag? Ist die Vorstellung der ASB-Redax, dass wir uns mit Namen, Foto und Handynummer auf den Blog stellen? Und wie verhält sich das zur – in ASB-Stellungnahme ausgeführten – absolut schützenswerten Anonymität des Täters? Die UG_DEFMA ist anonym um sich und Betroffene vor Angriffen von Sexist_innen und nicht zuletzt dem Staat zu schützen. Das ist eine gängige politische Praxis. Trotz allem sind wir natürlich nicht vollkommen anonym: Wir machen im Jahr rund ein Dutzend Workshops mit Gruppen oder in öffentlichen Räumen – auch im ÖH Kontext – ohne dabei Hassis zu tragen und uns mit falschem Namen vorzustellen. Anonym oder nicht: Einer Nachfrage zu den Forderungen oder zum Umgang mit dem Täter – in einem Gespräch oder einer Mail – wäre nichts entgegengestanden.

III) Schluss

Wir fänden es im Übrigen angebracht, dass die ASB-Stellungnahme aus dem Netz verschwindet. Nur ein Vorschlag, keine Forderung. Den Wanderpokal für die definitionsmachtsfeindlichste Scheiße hat die ASB-Redax jedenfalls gewonnen!

UG_DEFMA am 19.8.2014

[1] http://antisexismusbroschuere.wordpress.com/2014/07/12/stellungnahme-zur-absage-der-broschurenprasentation-im-w23/
[2] „Update 21.5.2014: “ACHTUNG: Die unten angekündigte Veranstaltung findet am Freitag NICHT statt! Sorry!” (aus dem mail der Bibliothek von Unten)“ von: http://antisexismusbroschuere.wordpress.com/2014/05/13/prasentation-der-broschure/

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[3] Stellungnahme einer Betroffenen_ (von der UG_DEFMA im Text als „2. Betroffene_“ bezeichnet):

X war auch mir gegenüber vor vielen Jahren übergriffig. Ich habe ihn damals damit konfrontiert und ihn dazu aufgefordert sich mit dem Zustimmungs-Konzept (vgl. Broschüre: 104) und sexualisierter Gewalt im allgemeinen zu beschäftigen.
Obwohl auch dieser Vorfall ca. 6 Jahre zurückliegt, ist es auch für mich immer wieder Scheiße wenn ich Texte sehe, die X (mit vollem Namen) veröffentlicht. Für das Gefühl das ich habe, wenn ich daran denke, dass X auch zum Thema Sexismus publiziert, habe ich keine Worte. Es ist unfassbar. Für mich ist es deshalb sehr gut nachvollziehbar, wenn von Betroffenen die Forderung gestellt wird, X solle nicht mehr als Experte zu diesem Thema auftreten.
Meiner Meinung nach wäre es auch angebracht, wenn X nicht mehr (unter seinem vollen/echten Namen) in linken Szene-Kontexten publiziert oder auftritt. Durch solche öffentliche Auftritte bekommen Menschen Anerkennung, Respekt und zum Teil auch Geld. Ich hätte kein Problem damit, wenn X an Projekten mitarbeiten würde ohne seinen echten Namen darunter zu setzen. Ansonsten werden Betroffene wie ich und leider auch Andere, immer wieder unfreiwillig an alte Übergriffe erinnert. Es gibt mit guten Grund bestehende Hausverbote in linken Räumen und meiner Meinung nach würde es nahe liegen, dies auch auf den namentlich gekennzeichneten Auftritt in Szene-Medien auszuweiten. Ich fühle mich nicht wohl dabei, X an Szene-Orten zu treffen. Ich will ihn nicht bei Veranstaltungen schlau mitdiskutieren hören. Da ist es doch naheliegend, dass ich auch nicht will, dass seine Perspektive in schriftlicher Form an diesen Orten aufliegt oder auf meinem Küchentisch landet. Es ist mir absolut unverständlich, dass das Redaxkollektiv meint entscheiden zu können, dass sich so eine Forderung „ohnehin nicht als Schutzmaßnahme rechtfertigen ließe“ (vgl. Stellungnahme Redaxkollektiv).
Seitdem ich gesehen habe, dass X an der Antisexismus Broschüre mitgeschrieben hat, wollte ich diese nicht mehr zur Hand nehmen. In der Einleitung zur Broschüre schreibt das Redaxkollektiv, die Broschüre will „gelesen und für Auseinandersetzungen genutzt werden, will in Gruppen neue Gedanken aufwerfen, will neben und in Betten liegen und in Workshops kursieren“. In oder unter meinem Bett wird sie in dieser Form hoffentlich nie liegen. Indem ihr X‘ Text und Namen nicht rausnehmen wollt, schützt ihr ihn und verunmöglicht zum Teil auch, dass die Broschüre ihren ursprünglichen Zweck erfüllt. Ich verstehe, dass das frustrierend ist für Andere die an der Broschüre mitgearbeitet haben, aber die Stellungnahme finde ich trotzdem absolut unverständlich. Ich hoffe sehr, dass sie nicht von allen 70 Personen die an der Broschüre mitgearbeitet haben, unterstützt wird.

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http://defma.blogsport.de/2014/08/19/reaktion-auf-die-asb-stellungnahme/feed/
Safer Support: Verschlüsselung und Unterstützungsarbeit http://defma.blogsport.de/2013/11/24/safer-support-verschluesselung-und-unterstuetzungsarbeit/ http://defma.blogsport.de/2013/11/24/safer-support-verschluesselung-und-unterstuetzungsarbeit/#comments Sun, 24 Nov 2013 12:51:27 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2013/11/24/safer-support-verschluesselung-und-unterstuetzungsarbeit/ Die Kurzmessage lautet: Die beharrliche Verweigerung verschlüsselte Kommunikation in der alltäglichen politischen Arbeit macht uns die Arbeit manchmal ganz schön schwer.

Immer wieder war Verschlüsselung in aller Munde, durch Antirep2008, Antirep2010, VDS, NSA und andere Peaks in der Wahrnehmung von Repression. Und immer ließen sich doch wieder gute Gründe finden warum man in der eigenen Gruppe leider doch keine Verschlüsselung umsetzen könnte: Hierarchie durch Passwörter, Barrieren durch Technik und Knowhow, Verschwörungstheorien gegen das Internet per se, die schicke Adresse beim Betreiber der leider keinen pgp-import zulässt, usw. Das sind teils gute, teils bessere, meist schlechte Gründe.

Wie allgemein bekannt steht das Definitionsmacht-Konzept außerhalb einer staatlichen und juristischen Logik; Daher ist das Definitionsmacht-Konzept auch nur dort und nur für jene wirksam, die sich mit dem Konzept beschäftigt haben und sich dazu in einer bestimmten Form bekennen. Anders gesagt: Der Jungen ÖVP die Forderung einer Betroffenen zu schicken hat gleichwenig Sinn wie die Forderung an die Staatsoper, einem Täter Hausverbot zu geben. Sowenig es den Staat interessiert, Frauen* vor Gewalt zu schützen, so sehr interessiert es ihn dann doch, was an ihm vorbei geschieht. Ein Beispiel, das alle UGs betrifft. Macht eine Unterstützer_innengruppe etwa einen Übergriff publik und benennt ihn als Handlung, die der Staat unter Strafe stellt, wäre das für jede Behörde Grund Anzeige zu machen, da es sich um ein Offizialdelikt handelt. Das hätte zur Folge, dass es zu einer Anzeige kommt, auch wenn sich die Betroffene dagegen entschieden hat ihn anzuzeigen. Und es führt dazu, dass bei der Unterstützer_innengruppe aktive Personen als Zeug_innen befragt werden könnten.
Würde eine Unterstützer_innengruppe, sagen wir mal theoretisch, jemanden in Mails vorwerfen etwas getan zu haben, was der Staat für strafbar definiert, so könnte ob dieser Äußerung auch die UG selbst Klagen ausgesetzt sein.
In beiden Fällen wären über Listen und Verteiler verschickte unverschlüsselte Mails für die Unterstützer_innengruppe, und teils auch die Betroffenen, kein gutes Los.

Dass Betroffene, die verschlüsselt mit uns kommunzieren, dadurch geschützt sind, ist gut. Aber nicht ausreichend, wenn durch Nicht-Verschlüsselung ungewollt eine Anzeige ins Rollen kommt. Und dass die Unterstützer_innengruppe einer Gefahr durch eine Veröffentlichung ausgesetzt ist, nur weil einige Politgruppen nicht verschlüsseln, ist ebenso bescheuert.

Der Status Quo bzgl. PGP steht in Wien wirklich nicht zum Besten: Räume die seit Monaten auf der Suche nach dem Passwort sind, Gruppen die seit Jahren einen abgelaufenen Key haben, wiederum andere in denen nur Einzelpersonen Zugang zum Key haben und auf Mails erst Monate später antworten.

Da offenbar politische Argumente nicht ausreichen, probieren wir es anders: Zum anstehenden 6. Geburtstag im Frühjahr 2014 im wünscht sich die UG_DEFMA keine Torten, Worte oder sonstige Geschenke, sondern eure public keys in unserem Adressbuch: defma@pulk.net

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http://defma.blogsport.de/2013/11/24/safer-support-verschluesselung-und-unterstuetzungsarbeit/feed/
Antisexistische Plakate! http://defma.blogsport.de/2013/09/17/antisexistische-plakate/ http://defma.blogsport.de/2013/09/17/antisexistische-plakate/#comments Tue, 17 Sep 2013 10:30:03 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2013/09/17/antisexistische-plakate/ Du kannst uns nach wie vor gerne schreiben wenn du Plakate zugeschickt bekommen willst, die erste Tranche an Bestellungen wurde von uns soeben verschickt! Falls eine Initiative/Kollektiv/Einzelperson in Wien gern Plakate hätt, ist das noch viel einfacher: mail schreiben und wir bringen oder ihr holt euch einfach welche!

Mit antisexistischen Grüßen,
DEFMA

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http://defma.blogsport.de/2013/09/17/antisexistische-plakate/feed/
Neu-Auflage der Plakate! http://defma.blogsport.de/2013/07/05/neue-plakate/ http://defma.blogsport.de/2013/07/05/neue-plakate/#comments Fri, 05 Jul 2013 18:11:17 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2013/07/05/neue-plakate/ Gute Nachrichten: Sowohl die Selbstverteidigungsplakate als auch die Zustimmungsplakate wurden neu aufgelegt. Die Zustimmungsplakate gibts in sechs Sprachen (dt., en., hu., cz., bks und pl.), die Selbstverteidigungsplakate in zwei Sprachen (dt., en.). Du kannst alle hier sehen: Material

Wie kommt ihr zu den Plakaten: Im EKH-Infoladen, im Bäckerei und bei uns via Mail.

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass wir bald wieder Plakate verschicken werden. Wenn du beim Versand berücksichtigt werden willst gib uns doch bitte bis Ende Juli Bescheid an defma@pulk.net (Adresse+Name+wieviel+von was). Die Plakate und der Versand kosten nichts. Wenn du oder deine Gruppe Geld auf der hohen Kante habt dann unterstützt doch bitte die feministische Buchhandlung in Wien: Chicklit

Mit antisexistischen Grüßen aus Wien,
DEFMA

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http://defma.blogsport.de/2013/07/05/neue-plakate/feed/
Stellungnahme von der UG_DEFMA zu T.&T. http://defma.blogsport.de/2013/06/16/stellungnahme-von-der-ug-defma-zu-t-t/ http://defma.blogsport.de/2013/06/16/stellungnahme-von-der-ug-defma-zu-t-t/#comments Sun, 16 Jun 2013 11:59:56 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2013/06/16/stellungnahme-von-der-ug-defma-zu-t-t/ Stellungnahme von der UG DEFMA zu T.&T.
Von Outingplakaten, feministischen Nebenwidersprüchen und den üblichen Sexisten

Vor ungefähr einem Jahr tauchten in Wien kurzzeitig Plakate auf, die zwei Männer, T. und T., als Sexisten „outeten“ und ihnen aggressives, sexistisches sowie übergriffiges Verhalten vorwarfen. Auf den Plakaten waren Fotos der zwei Männer. Es wurde gefordert, dass sie aus sämtlichen autonomen Zusammenhängen ausgeschlossen werden. Da die Plakate im Durchschnitt überall nur 1 Minute hingen, war der Inhalt und der genaue Wortlaut umstritten und noch Monate später Grundlage vieler Gerüchte. Wir haben damals ein Foto von den Plakaten gemacht und geben auf dessen Grundlage den Text wieder (siehe unten).

Diese Plakate stoßen nach wie vor auf viel Kritik, die wir nur teilweise nachvollziehen können. Da wir einige fatale und sexistisch motivierte Denkfehler in der Ablehnung der Plakate und vor allem ihrem Inhalt sehen, halten wir, von der UG_DEFMA, es für notwendig, Stellung zu diesen Plakaten und der Veröffentlichung zu beziehen.

Zur Form
Wir haben die Plakate weder gemacht, entworfen noch aufgehängt und hätten sicher eine andere Form der Veröffentlichung gewählt. Ein Kritikpunkt unsererseits ist, dass es keine Kontaktadresse gibt, die aber sehr wichtig wäre. Es bleibt jeder Unterstützer_innengruppe (UG) überlassen, ob Nachfragen oder andere Anfragen dann beantwortet werden, aber die Möglichkeit erleichtert Unterstützung von Außen in vielen Fällen sehr.

Kritik die von vielen Personen geäußert wird, ist dass die Plakate wie „Fahndungsplakate“ wirkten, wegen den Fotos der beiden Männer und weil sie teilweise auch außerhalb von Szeneräumen hingen (z.B. an den Außenmauern des EKHs) d.h. für Repressionsbehörden sichtbarer waren. Noch einmal: diese Form der Veröffentlichung hätten wir nicht gewählt, dennoch sehen wir sie als eine antisexistische Aktion mit viel Tradition. Radikale Feministinnen haben seit Jahrzehnten immer wieder Sexisten und Täter angeprangert, durch Sprühereien vor ihren Wohnungen oder Arbeitsplätzen („Vergewaltiger, wir kriegen dich!“) oder auch durch Plakate und Flugzettel andere Frauen* gewarnt und die Männer eingeschüchtert. Gerade wenn die Befürchtung besteht, dass bestimmte Männer unbehelligt weitermachen können mit ihrem sexistischen und gefährlichen Verhalten, sind Veröffentlichungen mit Fotos von Nutzen. Auch szene-intern ist das nicht unüblich wie viele Beispiele in anderen Ländern belegen können.

Das Letzte, was wir von der UG_DEFMA wollen, ist den Spielraum für antisexistische Interventionen einzuschränken. Definitionsmacht bietet EINE Möglichkeit, aber sicher nicht die einzige bzw. die einzig richtige, mit sexualisierter Gewalt und Sexismus umzugehen. Spätestens nach den sexistischen Eskalationen während der Epizentrum-Besetzung waren die beiden Männer gewaltätig und aggressiv aufgefallen. Sie waren und sind sehr präsent, sowohl im Internet als auch im echten Leben. Auch bei der Cafe Rosa-Besetzung fielen sie ungut auf. Mit ihrem Verhalten zu verschiedenen Zeitpunkten konfrontiert, gab es entweder keine Reaktionen, paranoide Abwehrmonologe oder gewalttätige Auszucker. Eine ernsthafte Auseinandersetzung schien unmöglich. Nachdem alle Auseinandersetzungsversuche scheiterten, wurde eine konfrontativere Methode gewählt – eine die auf sehr viel Unverständnis stoß. Dennoch, in Anbetracht der Vorgeschichte, ist es für uns nachvollziehbar, diesen Schritt zu setzen.

Zum Inhalt
Gerade weil die Form manchen Menschen nicht passt, wollen sie anscheinend den Inhalt ignorieren. Wir finden es traurig und bezeichnend, dass manche Menschen Sexismus erst ernst nehmen, wenn dieser in seinen brutalsten Formen mit den härtesten Bezeichnungen vorkommt. Auch Übergriffe und Grenzüberschreitungen sind ernst zu nehmen. Darüber hinaus sollte es bei eingefleischten Sexisten mit Hang zu körperlicher und verbaler Gewalt durchaus möglich sein, sie „nur“ auf Grund ihres alltagssexistischen Verhaltens aus Gruppen und Räumen auszuschließen. Auch wegen solcher Typen haben sich FrauenLesbenInterTrans* immer wieder dazu entschieden, ohne Cis-Männer politische Kollektive zu organisieren. Warum wird die Teilnahme von einzelnen Männern für wichtiger gehalten, als die Teilnahme von Frauen*, die durch das sexistische Verhalten von Männern verdrängt werden?

Die Form der Veröffentlichung wirkt für uns mehr wie eine antisexistische Intervention, als die Vermittlung von Forderungen von Betroffenen durch eine UG. Wir haben dennoch keinen Grund an der Legitimität dieser Veröffentlichung zu zweifeln, u.a. weil sie Infos entspricht, die wir schon Monate vorher von Plena, antisexistischen Notfalltreffen und sehr vielen persönlichen Erzählungen hatten. Sowie viele andere Leute auch, die sich trotzdem weigern den Inhalt der Veröffentlichung auf Grund der Form ernstzunehmen.

Zu den Folgen
T. und T. wurden nach der Veröffentlichung tatsächlich aus vielen Zusammenhängen ausgeschlossen. Manche Gruppen arbeiten immer noch mit ihnen zusammen, ein Teil davon, weil sie bis jetzt die Plakate und die Veröffentlichung nicht ernst nahmen. Trotz aller Kritik an der Form der Veröffentlichung darf keine Täter-Opfer-Umkehr stattfinden! Wir hoffen mit dieser Stellungnahme hier eine Änderung zu bewirken. Keine Position zu beziehen ist auch eine Position. Sich nicht mit Sexismus zu beschäftigen IST Sexismus und bedient dem patriarchalen, gesellschaftlichen Normalzustand.

Die Pizzeria ist ein Ort, wo beide Männer sehr präsent sind. Das Projekt bzw. Menschen aus dem Pizzeria-Umfeld beklagen durch den Sexismus-Vorwurf mangelnde Solidarität mit ihrem Projekt. Wir halten es für fiesen Antifeminismus den Feministinnen vorzuwerfen, sie wollen die Szene spalten, weil sie Sexismus anprangern und nicht zum Nebenwiderspruch verkommen lassen. Dieses Argument gegen feministische/antisexistische Aktionen innerhalb der Szene ist so alt wie falsch. Was eine Szene wirklich spaltet ist das Ignorieren von Sexismen zugunsten von AktivistEN, die langsam Aktivistinnen* aus der Szene vertreiben.

Anderseits ist es uns wichtig zu differenzieren zwischen den Tätern, der Position der Pizzeria und einer grundlegenden Einstellung zu Repressionsbehörden.

Zu den Tätern: Uns ist klar, sie alleine sind für ihre Tun verantwortlich. Solange nicht einmal ansatzweise eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrem sexistischen Verhalten zu merken ist, sehen wir keinen Grund mit ihnen in irgendwelchen Zusammenhängen zusammenzuarbeiten. Der Ausschluss aus Räumen und Zusammenhängen sollte in erster Linie für den Schutz von Betroffenen und präventiv gegen sexistische Übergriffe erfolgen und nicht um eine Projektionsfläche für allgegenwärtige und kontinuierlich sexistische Verhältnisse zu schaffen. Es gibt viele Täter in Wien, die verbal und physisch Gewalt üben und denen nicht die Möglichkeit gegeben werden darf, sich hinter einer aktuellen Veröffentlichung zu verstecken.

Zur Pizzeria: Von einem Kollektiv mit emanzipatorischen Ansprüchen verlangen wir, sich mit Vorwürfen auseinanderzusetzen und Stellung zu beziehen. Zu wissen, wie ein politischer Raum („Freiraum“) damit umgeht, dass es zwei bekannte Täter in ihrem Umfeld gibt, ist für alle relevant. Sonst wird die Teilnahme der zwei Täter über das Wohlbefinden von Frauen* gestellt, die nichts mit diesen beiden Typen zu tun haben wollen. Zu unserem Verständnis von einem emanzipatorischen Raum gehört die Auseinandersetzung mit sexistischen Strukturen sowie die konkrete Durchsetzung antisexistischer Praxen. Damit wollen wir nicht sagen, dass alle Leute in der Pizzeria Sexist_innen sind. Wenn es Täter betrifft die nicht aus ihrem Kollektiv sind, ist es möglich klare Ansagen zu bekommen. Was eine klassische Art darstellt mit Sexismus umzugehen: wenns einen Haberer betrifft schaut die Sache immer anders aus. Insofern sollten sie sich über ihre eigenen antisexistischen Ansprüche klar werden und Widersprüche nicht einfach ignorieren sondern aushandeln.

Zur Einstellung gegenüber den Repressionsbehörden: Wir von DEFMA verstehen uns als Teil der linksradikalen Szene und positionieren uns klar gegen Räumungen und Polizeigewalt. Ob Verfassungsschutz oder Streifenkibarei, wir lehnen Bespitzelung und Einschüchterungstaktiken aller Art ab. Dementsprechend sind wir solidarisch mit der Pizzeria gegenüber der polizeilichen Repression der sie ausgesetzt sind.

Wir hoffen, dass diese Stellungnahme einige Mißverständnisse und Unsicherheiten aufklärt. Die letzten Rauschmissversuche der beiden T*s bei diversen Veranstaltungen und die dabei entstandenen Eskalationen, zeigen, dass antisexistisches Handeln bitter notwendig ist.

mit feministischen Grüßen,
Unterstützer_innengruppe DEFMA

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ANHANG:
Transkription der „Outing-Plakate“

Seit Jahren werden immer wieder sexistische Situationen bekannt, in denen sowohl Thomas als auch Thomas F. massivst grenzverletzend auftreten. In den letzten Monaten wurde die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung immer deutlicher.

Die befreundeten „Anarcho-Aktivisten“ mit Vorliebe für Besetzungen haben auf ihrem Ego_Polittrip schon einige Betroffene in Kauf genommen. Sexismus und sexualisierte Gewalt in Zusammenhang mit Drohungen und Erniedrigung wurde des öfteren von den beiden benutzt, um sich Raum anzueignen, Entscheidungen an sich zu reißen und antisexistische Positionen zu schwächen.

Sie stellen sich nicht offen gegen Feminismus, sondern gestalten Sexismus aktiv mit. Das zeigt sich einerseits in Gruppen- und Plenasituationen, aber auch in Party-, Demo- und anderen Kontexten, wie zB persönliche Gespräche. Durch ihr Auftreten schaffen sie eine Dynamik, die es Betroffenen oder jenen, die an ihren und/oder gruppeninternen Sexismen Kritik üben, unmöglich macht zu partizipieren. Abseits vom eigenen übergriffigen Verhalten betreiben sie außerdem aktiv Täterschutz, indem sie Übergriffe banalisieren und Betroffene einschüchtern, wenn sich Sies an die Gruppe wenden.

Thomas und Thomas F. sind in vielen Zusammenhängen aktiv […] [Anm. UG DEFMA: Auflistung ihrer früheren politischen Zusammenhänge geben wir aus repressionstechnischen Gründen nicht wieder]

Bisherige Versuche die beiden mit ihrem Verhalten zu konfrontieren und zu einem reflektierteren Umgang, sowohl mit der eigens ausgeübten Gewalt, als auch Übergriffssituationen im allgemeinen, zu bewegen, sind leider gescheitert. Wir können uns glücklich schätzen noch nie die Erfahrung gemacht zu haben, persönlich von einem der beiden attackiert worden zu sein. Die Erlebnisse der bisherigen Betroffenen zeigen allerdings deutlich, dass sowohl Thomas als auch Thomas F. eine Gefahr darstellen und ein Risiko für Frauen* in linken Strukturen bedeuten.

Uns ist einerseits klar, dass diese Form des Outings ein drastischer Schritt ist. Andererseits ist die Notwendigkeit akut gegeben, wenn übergriffiges Verhalten jahrelang geduldet wird und keine Bereitschaft zur Auseinandersetzung zu erkennen ist. Aus unserer Perspektive ist es daher legitim, dass sie letztlich die Konsequenzen aus ihrem Verhalten in dieser Form zu tragen haben. Uns ist auch klar, dass die antisexistische Kritik der letzten Monate nicht auf diese beiden zu beschränken ist. Sexistische Strukturen und Übergriffe gibt es an jeder Ecke, in jedem Raum und die Verantwortung dafür kann nicht auf zwei Personen abgestreift werden. Nichtsdestotrotz ist dieses Outing ein Anfang.

Wir fordern daher alle linken Räume und Gruppen auf, die beiden von ihren Aktivitäten auszuschließen.

Wer dieser Forderung nicht nachkommt betreibt Täterschutz und ist mitverantwortlich für zukünftige Übergriffe seitens Thomas und Thomas F.

Wir fordern öffentliche Stellungnahmen, damit all jene, die in unterschiedlichsten Formen von ihrer Gewalt betroffen sind, wissen, welche Räume und Gruppen in Zukunft zumindest diesbezüglich einen safer space darstellen. Auch von zukünftigen Projekten fordern wir einen konsequenten Ausschluss. Keine Diskussionen. Kein Täterschutz. wir fordern, dass Thomas und Thomas F. aus der Pizzeria Anarchie ausziehen und auch in anderen Wohnprojekten keinen Platz finden, damit dieser wieder jenen zugänglich wird, die bisher von ihnen ausgeschlossen wurden.

Gabi & Toni

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18.6. Einführung in das Definitionsmachtkonzept. Vortrag mit anschließender Diskussion http://defma.blogsport.de/2013/06/10/18-6-einfuehrung-in-das-definitionsmachtkonzept/ http://defma.blogsport.de/2013/06/10/18-6-einfuehrung-in-das-definitionsmachtkonzept/#comments Mon, 10 Jun 2013 21:35:51 +0000 defma Allgemein http://defma.blogsport.de/2013/06/10/18-6-einfuehrung-in-das-definitionsmachtkonzept/ Das Definitionsmachtkonzept ist inzwischen den meisten Leute in linksradikalen Zusammenhängen ein Begriff. Es besagt, dass nur die betroffene Person selbst defininieren kann, was sie als (sexualisierte) Gewalt erlebt. Dennoch stößt das Konzept immer wieder auf Unverständnis, und die Durchsetzung der Definitionsmacht in der Praxis bleibt oft schwierig. In diesem Vortrag wird auf die gängigen Umgänge mit sexualisierter Gewalt in der Gesellschaft eingegangen sowie auf die Bedeutung und Auswirkung von sexualisierter Gewalt für Betroffenen. Ausgehend von diesen Umständen wird ersichtlich, warum Definitionsmacht sich im Umgang mit sexualisierter Gewalt bewährt – auch in unseren Szenen.

Am 18.6.2013 im Rahmen des Antifa Cafes
ab 19 Uhr
im Bäckerei
Tannengasse 1/Ecke Felberstrasse
1150 Wien

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